Interview
Ausgeführt von Kristina Kramer, Schülerin, 10 Jahre, für das Schulprojekt "Interessante Berufe" (Herbst 2000).
Kristina: Frau Hirler, Ihr Unterricht macht mir und anderen sehr viel Spaß. Deshalb möchte ich etwas mehr über Ihren Beruf erfahren. Musiklehrer kennt jeder aus der Schule, aber Lehrer für rhythmisch-musikalische Erziehung sind dagegen eher unbekannt. Wo arbeiten Sie?S. Hirler: Wie du weißt, unterrichte ich Kinder zwischen drei und acht Jahren in Rhythmisch-musikalischer Erziehung. Mit geistig und körperlich Behinderten arbeite ich ebenfalls schon über 10 Jahre im Rhythmikunterricht. Außerdem gebe ich Unterricht für Blockflöten und klassische Gitarre und bin Dozentin für Rhythmik in der Heilpädagogik an der Marienschule Limburg. Dort gibt es die Rhythmikgruppe für Gymnasiastinnen, in die du mit deiner Schwester gehst. Weiterhin erteile ich Fortbildungskurse für Erzieherinnen, Grundschullehrer und Therapeuten in Rhythmisch-musikalischer Erziehung, Elementare Musikpädagogik und Heilpädagogischer Rhythmik.
Kristina: Wenn Sie freiberuflich arbeiten, können Sie Ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen. Hat das für Sie persönlich Vorteile?
S. Hirler: Ich konnte mir schon immer meine Arbeitszeiten einteilen. Das ist toll, weil ich so meine Familie und meinen Beruf immer relativ gut unter einen Hut gebracht habe.
Kristina: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit selbst am Besten?
S. Hirler: Dass ich mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun habe – mit jungen, älteren, "normalen" und behinderten. Für jeden versuche ich das richtige Spiel-und Förderangebot anzubieten.
Kristina: Was lernt man bei Ihnen im Rhythmikunterricht?
S. Hirler: Rhythmik ist ein ganzheitliche Musik- und Bewegungserziehung, die durch ein spezifisches Aufgabenangebot die Kinder in der Wahrnehmungsfähigkeit, Sensomotorik, Motorik, Sozialverhalten, Musikalität, Kreativität und Fantasie fördert.
Kristina: Sie setzen in Ihrem Unterricht Ihre Stimme, aber auch Instrumente und andere Gegenstände ein. Erklären Sie doch bitte an einem Beispiel, was Sie uns Kindern in einer Rhythmikstunde damit beibringen!
S. Hirler: Als Beispiel nenne ich ein Wahrnehmungsspiel mit verschiedenen Instrumenten wie Rasseln, Klangbausteinen und Trommeln: Die Kinder sitzen im Kreis und jedes Kind hat ein Instrument vor sich liegen. Ein Kind beginnt zu spielen und das Nachbarkind spielt den gleichen Rhythmus mit. Die beiden spielen eine Weile zusammen, dann hört das erste Kind auf und das Nachbarkind des zweiten Kindes setzt daraufhin ein. Das wird so lange fortgesetzt, bis alle Kinder an der Reihe waren. Was denkst du, was alles gefördert wird?
Kristina: Dass man sich Sachen behalten kann!
S. Hirler: Ja, auch das Sozialverhalten, Hörwahrnehmung, Kreativität, Feinmotorik.
Kristina: Welche besonderen Voraussetzungen muss man mitbringen, um Ihren Beruf erlernen zu können?
S. Hirler: Du musst die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule schaffen, also mindestens ein Instrument sehr gut spielen können. In meinem Fall war das Gitarre. Dann eine schwierige Gehörbildungsprüfung ablegen und Klaviersätze (Kadenzen) spielen und dann noch eine Rhythmikaufnahmeprüfung bestehen. Und zwar wird dabei geprüft,
- ob man körperlich in der Lage ist diesen Beruf auszuüben, weil man sich dabei viel bewegen muss;
- ob man Musik mit dem Körper gut umsetzen kann, also tänzerisch und künstlerisch;
- ob man die Fähigkeit zur Improvisation hat, körperlich und auf einem Instrument.
Kristina: Welche Ausbildung muss man durchlaufen?
S. Hirler: Man absolviert ein vierjähriges Studium an einer Musikhochschule mit dreißig Unterrichtsstunden in der Woche. Das ist sehr anstrengend, weil man auch noch zusätzlich auf dem Instrument üben und sich vorbereiten muss.
Kristina: Was denken Sie, welche Zukunftsaussichten hat Ihr Beruf?
S. Hirler: Meinst du für mich oder allgemein?
Kristina: Allgemein.
S. Hirler: Im Prinzip sind die Zukunftsperspektiven sehr gut, wenn sich die Absolventen dieses Faches auch gut vermarkten können. Vor allem im Bereich Wahrnehmung, Persönlichkeitsentwicklung, Heilpädaogogik und im Seniorenbereich sind für die Zukunft vielfältige Aufgabenbereiche zu erwarten.
Kristina: Sie haben über Ihre Lehrtätigkeit hinaus Bücher geschrieben und Kassetten und CDs produziert.
S. Hirler: Ja, das kam aus dem Bedürfnis heraus, das Fach Rhythmik auch für andere Pädagogen greifbarer und erfassbarer darzustellen. In der Zwischenzeit nehmen meine Autorentätigkeit und meine Tätigkeit als Kinderliederautorin einen großen Teil meiner Arbeitszeit ein. Für die nächsten vier Jahre habe ich schon mit verschiedenen Verlagen Bücher in verschiedenen Bereichen geplant.
Kristina: Glauben Sie Ihren Beruf auch in 15 bis 20 Jahren noch mit der gleichen Freude und dem gleichen Engagement ausüben zu können?
S. Hirler: Ich hoffe es! Solange ich gesund und fit bin, versuche ich meinen Beruf auszuüben.
Kristina: Vielen Dank für das Interview, Frau Hirler! Ich glaube, Ihr Beruf könnte mir auch Freude machen.

